Star Trek Discovery Analyse – Teil 1: Die Grundlagen guter Science-Fiction (ohne Spoiler)

Bevor ich zum eigentlichen Thema – StarTrek Discovery – komme, will ich ,kurz‘ einen Blick auf zwei Science-Fiction Beispiele werfen, die als Serien unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch sehr Lehrreich für jede aktuelle SciFi-Produktion sein sollten. Zum einen die wohl unbestritten beste Star Trek-Serie: Star Trek – Deep Space Nine. Zum anderen eine Serie, die selbst niedrige Erwartungen trotz guter Ausgangslage noch unterboten hat: Stargate Universe.

Glaubhafte Figuren, keine Klischees oder Catchphrase-Maschienen!

DS9 hatte bei Produktion mit einigen alten Star Trek Traditionen gebrochen. Es wurden nicht länger Episode für Episode Einzelgeschichten erzählt, sondern ein großer Handlungsstrang verfolgt. Dieser Handlungsstrang bestand dazu sogar größtenteils aus militärischen Vorbereitungen und Krieg – dem Dominion Krieg. Stärker konnte man sich eigentlich nicht von der Gene Roddenberry Formel entfernen, deren utopisches Ideal gerade darin bestand Konflikte nicht mit Kriegen lösen zu müssen. Nicht deswegen, aber dennoch war DS9  bei Fans sehr erfolgreich, weil in der Umsetzung vieles richtig gemacht wurde.

Die Serie hatte sich zum einen Zeit gelassen. Die eigentliche Story sowie die Charaktere wurden erst nach zwei eher ruhigen Staffeln herausgearbeitet. Diese Zeit konnte sich eine Serie in den 90ern noch nehmen. Das Franchise war erfolgreich und es war klar, dass man sieben Staffeln produzieren können wird, solange das Interesse nicht vollständig untergeht.

Die Serie startete also nicht mit einem Feuerwerk, nicht mit den krassesten Akteuren, sondern ruhig und zurückhaltend. Die Zuschauer konnten die Welt entlang der Cardassianischen Grenze in Ruhe kennenlernen, die Schauspieler und Regisseure konnten die Ecken und Kanten der Charaktere auf natürliche Weise entwickeln. So wurde aus dem zurückhaltendem Commander Sisko im Laufe der folgenden Staffeln der von Avery Brooks genial gespielte Captain Benjamin *motherfuckin* Sisko. Selbst die Ferengie oder Klingonen entwickelten sich von Klischees zu echten, glaubhaften Figuren. Der Fokus der Serie bestand nicht darin ein actionreiches Setting darzustellen oder das Abenteuer der Woche zu erzählen, sondern glaubwürdige Figuren in einer schwierigen Situation zu zeigen.

Dass DS9 so eine gute Charakterentwicklung gelungen ist, lag auch maßgeblich an dem Autor Ronald D. Moore, der zuvor für die großartigen letzten beiden Staffeln Star Trek TNG verantwortlich war und zur dritten Staffel zu DS9 wechselte.

Wie wichtig dieser Fokus war, wird deutlich, wenn man sieht, dass die bei Fans beliebteste StarTrek Folge aller Zeiten – „In The Pale Moonlight“ – eben keine große Weltraumschlacht und kein neuartiges Technikzeugs beinhaltet, sondern einen Captain zeigt, der per Logbucheintrag mit seinem Gewissen hadert: https://www.youtube.com/watch?v=K-YyL7X4CWw

Zum anderen wurde der World-Building Aspekt des Star Trek Universums in DS9 weiterentwickelt. Während in TOS (The Original Series) und TNG (The Next Generation) dieser Aspekt durch die Darstellung faszinierender technischer Neuerungen (Warp-Antrieb, Holodeck…) größtenteils auserzählt war, zeigte DS9 nun die politischen und kulturellen Unterschiede des Alpha-Quadranten. Von den religiösen Bajoranern bis zu den faschistisch militaristischen Cardassianern, vom „Paradies“ Erde bis zu den politisch verfolgten Marquis-Siedlern.

Gutes Sci-Fi steht und fällt mit gutem World-Building

Was mit einer Serie passiert, wenn dieser World-Building Aspekt vernachlässigt wird, sieht man an unserem zweiten Beispiel: Stargate Universe.
Die Serie des etwas kleineren aber dennoch liebevoll gestalteten Franchise hatte eigentlich beste Voraussetzungen. Universe hatte mit 2 Millionen Dollar pro Episode ein für Stargate-Serien ordentliche Budget. Der Cast bestand unter anderem mit Robert Carlyle (auch bekannt als der cholerische aus Trainspotting oder Hitler) und Ming-Na Wen aus namenhaften Schauspielgrößen.
Auch das Setting war interessant. Eine fremde Galaxy und eine Crew im Überlebenskampf rund um technischen Herausforderungen auf einem noch unbekannten, aber mächtigem Raumschiff. (Nicht unbedingt originell, aber mit vielversprechenden Möglichkeiten)

Dennoch musste die Serie bereits zum Dreh der zweiten Staffel abgesetzt werden.

Das Problem: Man hatte einen modernen Story-Ansatz nach dem Vorbild der Serie „Lost“ ausprobiert. Jede Folge sollte mehr und mehr Fragen aufwerfen und nur wenige beantworten. Ein dauerhafter Cliffhanger. Die Cinematographie hatte diesen Effekt unterstützt. Wenig Licht, enge Kameraeinstellungen, hektischer Schnitt – unmöglich so einen Überblick, eine Verschnaufpause zu erlangen. Die Zuschauer waren in einer mysteriösen Umgebung eingeengt, genau so wie man die Figuren darstellen wollte.

Diese Art der Produktion hat seine Vorzüge, eignet sich aber nicht für die meisten Science-Fiktion (Serien zumindest). Denn der Reiz dieses Genres (ähnlich wie bei Fantasy) besteht gerade darin, einen Überblick über eine neue Welt zu geben, in die sich die Zuschauer hinein träumen wollen.

Als die Produzenten den Fehler bemerkt hatten und zur zweiten Staffel einen anderen Ansatz verfolgten, war es leider schon zu spät. Die Zuschauerzahlen waren eingebrochen.

 

Weiter geht‘s (hoffentlich) nächste Woche mit Teil 2 und der Frage ob und wie sich StarTrek Discovery an diesen Grundlagen orientiert!

(Voll gemein, ein ganzer Beitrag mit der Überschrift Star Trek Discovery, in dem es gar nicht um die Serie geht… Vielleicht ist das ja auch der neue Blog-Erzählstil – nach dem Vorbild von J. J. Abrams. Vielleicht geht es auch im nächsten Beitrag immer noch nicht um StarTrek Discovery. Vielleicht hab ich auch ein riesiges Bärtierchen aus einem wissenschaftlichen Experiment in meinem Captains-Quartier untergebracht. Und warum laufen hier eigentlich Eisbären rum?)